Fürther Nachrichten: Bei Beleidigung hört der Spaß auf
Zirndorfer Realschule darf sich mit dem Titel "Schule ohne Rassismus" schmücken.
ZIRNDORF - Die Staatliche Realschule Zirndorf ist mit dem Titel "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" ausgezeichnet worden. Pate Volker Heißmann und Stefanie Frische von der Landeskoordinationsstelle Bayern Nord überreichten im Beisein von Landrat Matthias Dießl Urkunde und eine Plakette, die künftig am Schuleingang hängen soll.
"Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" ist ein Projekt, das vor 20 Jahren in Belgien entstand und dem sich seit 1995 auch 467 Schulen in Deutschland angeschlossen haben, um gemeinsam gegen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung einzustehen.
Dass die Zirndorfer Realschule nun als Nummer 468 dazu stößt, hat nicht zuletzt mit dem "massiven Auftreten der NPD im vergangenen Jahr" zu tun, wie Lehrer und Projektkoordinator Konrad Rösch erklärt. Die Rechten haben damals Info- oder besser Propagandamaterial in Form der mit dem harmlosen Titel versehenen "Schulhof-CD" an die Schüler verteilt.
Schulleiter Josef Nisster initiierte daraufhin die Bewerbung beim "Schule ohne Rassismus"-Projekt, "um gegen Schwachsinnige, die meinen, mit Diskriminierung Politik machen zu müssen", ein Zeichen zu setzen. Dies solle jedoch keine Eintagsfliege bleiben, die mit dem Eintrag in eine Unterschriftenliste ihr Ende findet. Über 80 Prozent der Schüler, Lehrer und Angestellten der Einrichtung hatten die Erklärung unterzeichnet, in der sie sich unter anderem dazu verpflichteten, Gewalt, diskriminierenden Äußerungen oder Handlungen an der Schule entgegenzutreten.
"Offenheit und Toleranz"
Schülersprecher Mentor Osmanaj, als Türkischstämmiger laut eigenen Worten früher selbst hin und wieder Opfer von Beleidigungen, sieht seine Schule als positives Beispiel: "Rassismus spielt hier keine Rolle, ich habe hier stets Offenheit und Toleranz erlebt."
Bildung sei außerdem die stärkste Waffe gegen Rassismus. Für seine Kollegin Cathleen Menzel ist die Einstellung wichtiger als die Verleihung des Titels. Sie forderte ihre Mitschüler auf, auch künftig Stärke zu beweisen und dazwischen zu gehen, wenn jemand wegen seines Aussehens, seiner Herkunft oder seiner Meinung diskriminiert wird. "Beleidigungen werden oft nur als Spaß angesehen", mahnte sie.
Projektpate Heißmann von der Comödie Fürth erinnerte an die eigene Schulzeit. Als er damals auf seinen heutigen Bühnenpartner Martin Rassau traf und "konnten wir uns anfangs nicht riechen, sahen uns als Konkurrenten im Schultheater". Doch irgendwann lernten sie sich näher kennen und merkten, dass es gemeinsam besser geht.
Heute arbeiten sie mit unterschiedlichen Menschen verschiedener Nationalitäten zusammen und sind Freunde. Heißmann wünschte den Schülern weiterhin die "Courage, für einander einzustehen und aufeinander zuzugehen" und erklärte seinen Willen, die Patenschaft ernst zu nehmen und Aktionen zu unterstützen.


