29.04.06

Frankenpost: Wunsiedler Schulen zeigen Flagge

Von: EWALD ENDERS

Auftaktveranstaltung mit 70 Lehrern. Projekt gestartet: "Jugendliche vor falschen Verführern warnen".

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"Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" ist ein Projekt überschrieben, mit dem sich die Wunsiedler Schulen in das Bündnis gegen Rechtsextremismus in der Kreisstadt einreihen.

 

WUNSIEDEL – Die Auftaktveranstaltung fand jetzt im Tagesheim der Sigmund-Wann-Realschule statt, zu der Schulleiter Klaus-Hannes Kahler rund 70 Lehrerinnen und Lehrer aus der Hauptschule, der Wirtschaftsschule, dem Luisenburg-Gymnasium und der Realschule willkommen hieß. Als Hauptziel der Aktion nannte Kahler die Sensibilisierung von Schülern für alle Formen von Diskriminierung und Rassismus. Um den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ des bundesweit tätigen Vereins „Aktioncourage“ zu erlangen, müssen mindestens 70 Prozent aller Schulangehörigen – Schüler, Lehrer und andere Schulbedienstete – sich mit ihrer Unterschrift zu den Grundsätzen des Projektes bekennen. Im Anschluss sollen bekannte Persönlichkeiten für die einzelnen Schulen Patenschaften übernehmen.

 

Zweiter Bürgermeister Matthias Popp zeigte sich hoch erfreut über die breite Beteiligung der Wunsiedler Schulen an dem Vorhaben, das Teil eines europaweiten Netzwerkes werden soll. Mit zahlreichen Auszeichnungen wurde das Projekt bereits gewürdigt, so unter anderem mit dem Förderpreis "Demokratie leben" des Deutschen Bundestages, der Buber-Rosenzweig-Medaille der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit oder dem Aachener Friedenspreis. Popp informierte über die aktuelle Entwicklung der rechten Szene in Wunsiedel und betonte, dass vor allem zu führenden Aktivisten der NPD von Wunsiedel aus Verbindungen geknüpft würden. Er appellierte an die Lehrerinnen und Lehrer, Kinder und Jugendliche vor den Gefahren der NS-Ideologie und "vor falschen Verführern zu warnen und zu schützen".

 

Umfangreiches Informationsmaterial in Sachen Rechtsradikalismus präsentierte Hauptschullehrer Karl Rost. So seien einschlägige Veröffentlichungen des Kultusministeriums oder der Landes- und Bundeszentralen für politische Bildung für die Schulen frei beziehbar. Nützliche Internetadressen wie mut-gegen-rechts.de oder arug.de der Arbeitsstelle Rechtsradikalismus und Gewalt böten eine Vielzahl von Informationen nicht nur für Schüler und Lehrer. Rost warnte vor einer gelegentlich zu beobachtenden „präventiven Feigheit“, die sich scheue, sich mit dem Rechtsradikalismus und seinem Gedankengut offensiv auseinander zu setzen: „Auseinandersetzung ist besser als die Dinge tot zu schweigen“, zumal es der extremen Rechten letztlich um die Abschaffung der Demokratie in Deutschland gehe. Was können Lehrer in diesem Zusammenhang leisten? Rechtsradikale Tendenzen in den Schulen sollten laut Rost ernst genommen, aber auch nicht überbewertet werden. Im Gespräch mit betroffenen Schülern sollten Pädagogen sachlich bleiben und sich möglichst nicht provozieren lassen, in den Schulen gelte es klare Grenzen zu setzen, "was nicht bedeutet, jemanden auszugrenzen".

 

Hauptschullehrer Ulrich Glaser ging den Ursachen rechtsradikaler Aktivitäten bei Jugendlichen nach. Gerade junge Menschen versuchten, durch Tabubrüche ihren Protest gegen die Welt der Erwachsenen zu artikulieren. Häufig trieben aber auch Zukunftsängste, berufliche und schulische Probleme oder eine fehlende Orientierung Jugendliche in die Hände der rechten Verführer. Von dieser Seite würden ihnen Scheinlösungen geboten, etwa in Form eines autoritären Staates oder eines idealisierten Gemeinschaftslebens. An einigen ausgewählten Beispielen verdeutlichte Glaser die Rolle rechtsradikaler Musik, die ein hohes Maß an Begeisterung und Emotionen auslösen könne. Die Texte enthielten oft Aufrufe zum unmenschlichen Umgang mit Minderheiten wie Ausländern oder Homosexuellen. Gerade auf diesem Feld böte sich in den Schulen die Möglichkeit der kritischen Untersuchung und Auseinandersetzung.

 

Quelle: Frankenpost



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