15.08.08

epd: Zeichen gegen Rechtsradikalismus

 

Wunsiedel feiert "Tag der Demokratie" – Hauptredner DGB-Chef Schösser.

Zum vierten Mal seit 2005 will die oberfränkische Stadt Wunsiedel mit einem "Tag der Demokratie" ein deutliches Zeichen gegen Rechtsradikalismus setzen. Die Veranstaltung am Samstag (16. August) soll nach den Worten von Wunsiedels Bürgermeister Karl-Willi Beck ein Ausdruck des wachen "Bürgergeistes" in der Stadt und der Region sein. Angesichts der anhaltenden Aktivitäten der rechtsextremen Szene habe der "Tag der Demokratie" durchaus eine Berechtigung als feste alljährliche Einrichtung, sagte Beck vor Journalisten in Wunsiedel. 

 

      Wie notwendig ein bürgerschaftliches Engagement gegen Rechts sei, werde derzeit im benachbarten Fichtelgebirgsort Warmensteinach (Landkreis Bayreuth) deutlich: Berichten zufolge stehe dort der rechtsextreme Hamburger Rechtsanwalt Jürgen Rieger, der auch Mitglied des NPD-Bundesvorstands ist, kurz vor dem Kauf eines Gasthofs. Zeitgleich mit dem "Tag der Demokratie" soll am Samstag in Warmensteinach deshalb eine Protestkundgebung stattfinden, hieß es bei der Pressekonferenz. "Wir müssen auch in Zukunft hellwach sein", sagte Beck.

 

      In Wunsiedel wird als Hauptredner am Samstag der bayerische DGB-Vorsitzende Fritz Schösser erwartet. Zuvor findet auf dem Jean-Paul-Platz ein ökumenischer Gottesdienst statt, an dem unter anderem der evangelische Pfarrer Herbert Sörgel, Leiter der Gedenkstättenarbeit in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, und Domkapitular Max Hopfner, früherer Ökumenereferent des katholischen Bistums Regensburg, teilnehmen. Anschließend ist eine "Friedensdemonstration" durch die Stadt geplant. An einem "Markt der Demokratie" beteiligen sich rund 30 Parteien, Gruppen und Initiativen, darunter in diesem Jahr erstmals der "Israel-Laden" aus Hof und die Wilhelm-Leuschner-Stiftung aus Bayreuth.

 

      Zum "Tag der Demokratie" erscheint eine CD mit dem Titel "Wir rocken gegen Rassismus", die von Wunsiedler Schülerbands zum Teil mit Eigenkompositionen (etwa "Rechtes Ende" von der Band "Full House") eingespielt wurde. Außerdem haben die bekannten Liedermacher Konstantin Wecker und Rainhard Fendrich sowie die Gruppe Biermösl Blosn je einen Musiktitel für die CD unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die CD versteht sich laut Initiatorin Barbara Twisselmann als Antwort auf die so genannte "Schulhof-CD", die von der NPD im vorigen Jahr an Schüler verteilt worden war. Alle fünf Schulen in Wunsiedel sind mittlerweile dem Bündnis "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" beigetreten.

 

      Auf dem Wunsiedler Friedhof befindet sich das Grab des ehemaligen Hitler-Stellvertreters und verurteilten Kriegsverbrechers Rudolf Heß, der am 17. August 1987 starb. Der Todestag war in der Vergangenheit immer wieder Anlass für Aufmärsche von Neonazis aus ganz Europa, zu denen sich bis zu 4.000 Rechtsradikale in der Fichtelgebirgsstadt versammelten. Der bürgerschaftliche Widerstand gegen die braunen Aufzüge in Wunsiedel war maßgeblicher Anstoß für eine Gesetzesänderung, nach der diese Aufmärsche seit 2005 verboten wurden. Erst im Juni 2008 wurde die Strafverschärfung für Neonazi-Aufmärsche vom Bundes-verwaltungsgericht in Leipzig als verfassungsgemäß bestätigt.



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